750-jähriges Jubiläum

16. bis 18. Mai 2008

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Festabend mit Dr. Beer

 

Nach dem Rosenkranz der Thaler im Kircherl für die verstorbenen Dorfbewohner, kamen etwa 250 Leute in der Jaggl-Halle zusammen, um den Festabend zu feiern. Fröhlich eingestimmt durch schmissige Musikstückl der Oberlauser Musi erwarteten alle gespannt den Festredner des Abends Prof. Dr. theol. Dr. phil. Beer. Der aus Kehlheim stammende Leiter des katholischen Büros Bayern konnte über die Vermittlung von Annemarie Biechl gewonnen werden und sollte zum Thema „Kirche im ländlichen Raum – Chancen und Risiken“ sprechen. Wer nun erwartet hatte einen hochtheologischen, komplizierten Vortrag des Professors zu hören zu bekommen, wurde angenehm enttäuscht. Dr. Beer trat jugendlich frisch ans Rednerpult und begann seinen Vortrag mit der Feststellung, er könne hier ja glücklicherweise Dialekt sprechen - was er dann auch während des ganzen Vortrags weitgehend durchhielt.

Prof. Dr. Dr. Beer

Prof. Dr. Dr. Beer

Als erstes bedankte er sich überschwänglich für das bewundernswerte Engagement der Dorfgemeinschaft für die Renovierung des Kircherls und betonte wie wichtig solche soziale, freiwillige Unternehmungen in der heutigen Zeit seien, auch in ihrer Signalwirkung auf unsere Gesellschaft der schwindenden Werte und Beliebigkeit. Außerdem ging er auf die Bedeutung der Kirchen als Mittelpunkt der Dorfgemeinschaft und aller Kirchen als Zeichen der Zusammengehörigkeit der Christen ein und rief dazu auf, als Christen Stellung zu beziehen bei Themen wie etwa „Kreuze in Schulen abhängen“, nicht vor lauter tolerantem „Soll'n sie doch“ alle unsere Werte und Grundsätze aufzugeben.

Danach ging er am Beispiel von Fronleichnam auf die Sinnhaftigkeit des christlichen Brauchtums ein. Dabei seien drei Bedeutungsschichten zu unterscheiden, alle drei wichtig, keine dürfe fehlen.

Die drei Schichten machte Hr. Dr. Beer dann greifbar deutlich, indem er drei Besucher auf die Bühne bat und sie nach ihrer Körpergröße hintereinander aufstellte, den größten (Thomas Fischhaber) vorne. So wie Thomas Fischhaber vorne stehend die beiden Damen hinter ihm verdecke, so stehe im Vordergrund das Brauchtum, die Trachten, Fahnen und die Prozession, oft inzwischen auch Attraktion für Touristen. Dies berge die Gefahr der Reduzierung auf diese „Äußerlichkeit“, ohne noch den zugrunde liegenden Sinn zu kennen. Dahinter verbirgt sich nämlich (nun durfte Sylvia Glockner hinter Thomas hervortreten) das Wissen um die Hintergründe, die Bibelstellen und Heiligenlegenden, die dem Fest zugrundeliegen. Und als wichtigste Schicht befindet sich dann wiederum dahinter (als kleinste trat Sophie Haager vor) das Begreifen, Leben, Verstehen dieses Wissens.

Seine ganze Rede trug Dr. Beer - teilweise in deftigen Worten - engagiert und fesselnd vor, so dass alle Besucher aufmerksam und gespannt an seinen Lippen hingen und es anhaltenden begeisterten Beifall am Ende seines Vortrags gab. Bleibt zu hoffen, dass der ernste, nachdenklich stimmende Inhalt seiner Rede in den Herzen der Zuhörer nachwirken mag.

Danach wurde bei Bier und Brotzeit, sowie Kaffe und Kuchen zur Musik der Oberlauser noch lange weitergefeiert. Regen Besuch konnte auch die informative umfangreiche Ausstellung in der Ecke der Halle verzeichnen, die von Engelbert Zwingler und vor allem Manfred Kogler zusammengestellt worden war.

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